Was ist Yoga?

Yoga ist eine der sechs Darshanas (Disziplin, Lehre. Philosophie), die ihren Ursprung in den antiken Schriften Indiens, den Vedas haben.

Die sprachliche Wurzel ist :

Yujir Yoge, bedeutet „zu verbinden“. Für die Verbindung von einem Punkt zum anderen ist Bewegung notwendig, also Yoga ist immer eine Form von Bewegung. Eine Bewegung von A nach B.
Yuja Samadhau – Yoga ist Samadhi. Das Wort Samadhi bedeutet Absorption. Hier wird Yoga als ein Geisteszustand beschrieben, dessen Ergebnis Friede und Ruhe ist.


Die erste Wurzel bezieht sich auf Yoga als Bewegung, die zweite auf Yoga als Stillstand. Obwohl die zwei gegensätzlich erscheinen, sind sie komplementär. Der Prozess, der Weg, das Resultat und das Verweilen im Geisteszustand Yoga werden Yoga genannt.
Wenn die Bewegung oder das Verweilen zu Freiheit führen, dann ist es Yoga.
Daher ist Yoga eine Bewegung in Richtung Freiheit oder das Verbleiben in Freiheit.
Das Wort gibt es auch noch im Englischen und Deutschen, beide sind indogermanische Sprachen, die daher ihren Ursprung im Sanskrit haben. Im Englischen: „to yoke“ -  zu verbinden, integrieren. Und im Deutschen: „das Joch“ - Verbindung zwischen Wagen und Zugtieren.



Was ist der Zweck von Yoga?

Yoga Sutra 1/2


Yoga citta vrtti nirodha - Yoga ist die absolute Stilllegung der Modifikationen des Geistes.

Der zweite Vers der Yoga Sutra wird oft falsch übersetzt: ´Yoga ist die absolute Stilllegung der geistigen Aktivitäten.´ Dies kann allerdings nicht die richtige Übersetzung sein, da der Geist nur während der Phase des traumlosen Schlaf oder nach dem Tod absolut still ist.
Es ist absolut unmöglich bewusst zu erleben, dass der Geist absolut still und frei von Aktiität ist. Es wäre ein Paradoxem, da um etwas bewusst zu erleben eine Vielzahl von Gedanken und damit Aktivitäten nötig sind.
Die Übersetzung des Wortes vrtti ist hier von entscheidender Bedeutung. Vrtti kann im Sanskrit viele Bedeutungen haben.
In erster Linie bedeutete es Aktivität, gemeint ist jede Art von Aktivität, Veränderung. So kann es auch Bedeutungen wie Handel, Wirtschaft, Wandel und so auch Modifikation haben. Nun ergibt sich die Frage, was unter ´Modifikationen des Geistes´ zu verstehen ist.
Patanjali, der Verfasser der Yoga-Sutra eröffnet hier gleich zu Beginn seines umfangreichen Textes, was Yoga ist.
Es wird gesagt, wer diesen Vers verstehen und realisieren kann, der kann das Buch zumachen, da sich der Rest des Werkes nur mit der Erklärung dieses Verses, der Erreichung des geistigen Zustandes Yoga, mit der Aufrechterhaltung des Zustandes, und dessen Vorteilen beschäftigt.

Weiters postuliert die Yoga-Sutra,

  • dass nur in diesem geistigen Zustand, genannt Yoga, der absoluten Stilllegung der Modifikationen des Geistes, wir uns in unserer wahren Natur, unserem „Wahren Sein“ befinden,
  • nur so können wir die wahre Natur unserer Wahrnehmungen erkennen,
  • nur dann ist der Geist in seiner richtigen Position, als Werkzeug des richtigen Verständnisses und des daraus resultierenden richtigen Handlungen,
  • da wir uns ansonsten, in den, von den Modifikationen des Geistes beeinflussten, dadurch falschen Interpretationen unsrer Wahrnehmungen verstricken und auf diese reagieren.
  • Wir gehen von falschem Wissen über unsere Umwelt aus, nämlich den falschen Wahrnehmungen, so müssen auch die daraus resultierenden Handlungen falsch sein.  


So geraten wir immer wieder in Probleme, Stress.

Die drei Gunas - Modifikationen des Geistes

Rajas, Tamas, Sattva - sind die Tendenzen des Geistes.
 
Sattva - ist ein Zustand der Klarheit, Ruhe und Zufriedenheit. Wir alle kennen diesen Zustand, wenn wir uns an der Schönheit der Natur erfreuen. Wir scheinen keine Fragen an das Leben zu haben, sind zufrieden mit dem Vorhandenen und erfreuen uns unseres Daseins. Eine klare Sicht auf die Natur des Wahrgenommenen ist möglich.
Rajas - ist ein Gefühl des Verlangens oder der Ablehnung. Der Kontakt mit Objekten, Personen oder Situationen kann ein Gefühl der Leidenschaft, des Besitzes, der Angst vor Verlusten oder der völligen Ablehnung, des Hasses in uns entstehen lassen. Nur wenn es uns gelingt das Objekt der Leidenschaft zu erlangen oder den Kontakt zu vermeiden, kehren wir zu Zufriedenheit, Ruhe - Sattva zurück.
Tamas - Oft wissen wir nicht was wir tun sollen, wie auf die Situation reagieren, es gelingt uns nicht das Objekt zu erlangen oder den Kontakt zu vermeiden. Wir enden in einem Zustand der Unzufriedenheit. Dieser Zustand der Unklarheit führt zu verlangsamten Reaktion oder einem Ignorieren der Situation und wir verabsäumen zur rechten Zeit zu handeln. Tamas wird in den klassischen Schriften als ein Zustand der Ignoranz oder falschen Wissens beschrieben.

Wie wir schnell erkennen können ist Sattva ein wünschenswerter Zustand, während Rajas und Tamas nicht wünschenswert sind.
Yoga und Ayurveda sehen Sattva als den natürlichen Geisteszustand an. Sattva wird von Yoga und Ayurveda mit Gesundheit und Gleichgewicht assoziiert.
Tamas und Rajas zeigen uns, dass die Dinge in uns nicht im Gleichgewicht sind.
Im Zustand von Sattva sind wir ausgeglichen, ungestört vom Ausgang unsere Handlungen, ohne den Ergebnissen unserer Handlungen anzuhängen. Wir handeln nicht aus einem inneren Zwang, sondern tun was getan werden muss, ohne Anhänglichkeit oder Abneigung.
Rajas zwingt uns zu Handeln, obwohl vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt gekommen ist, müssen wir unserer Leidenschaft oder unserer Abneigung folgen.
Wir wollen uns selbst glücklich machen mit den guten Ergebnissen unserer Handlungen. Erst, wenn wir erfolgreich das Objekt des Verlangens erreicht haben oder Objekt der Abneigung vermieden haben, kehren wir in einen Zustand des Sattva zurück.
Tamas ist dominant, wenn wir nicht wissen oder keine Klarheit haben über was zu tun ist. Wir geraten in einen Zustand der Ignoranz und Schwerfälligkeit. Oft handeln wir zu spät oder entscheiden uns gar nicht zu handeln.

Kontakte, Konditionierung und Neigungen  
Ob der Kontakt mit einer Situation, Objekt oder Person in uns Ruhe, Ausgeglichenheit, Stress, Ignoranz oder Schwerfälligkeit fördert, hängt von uns ab. Was in uns steckt, birgt wie wir auf unsere Umwelt reagieren. Welche Kontakte, welche Gunas aktivieren, hängt von unseren früheren Erfahrungen/Konditionierungen und unseren angeborenen Tendenzen ab. Jeder Kontakt mit unserer Umwelt beeinflusst die Gunas.
Jede Wahrnehmung hinterlässt Spuren in uns, in Form von Erinnerung, aber auch in Form eines momentanen Stimmungswandels, der längere Zeit anhält, bis wieder ein anderes Stimuli der Sinne andere Gunas aktiviert.


Essen beeinflusst die Gunas
Die drei Gunas werden nicht nur von unseren Wahrnehmungen und angeborenen Tendenzen beeinflusst, sondern auch von unserer Nahrung. Generell gesagt: verstärkt scharfe, salzige Nahrung Rajas, bei zu viel und schwerer Nahrung neigen wir zu Tamas; milde und ausgewogene Ernährung mit viel Frischgekochtem fördert Sattva.

Gunas sind in einem stetiger Wandel
Alle drei Gunas sind immer präsent. Unser Geisteszustand ist in einem ständigen Wandel und wechselt von Zufriedenheit zu Leidenschaft, von Klarheit zu Verwirrung, Schwere und Ignoranz
Die Gunas sind keine fixierten Einheiten. Während eine der Gunas dominant ist, sind die anderen latent, können aber jederzeit dominant werden. Normalerweise wechseln unsere Geisteszustände im Stundentakt, nach einer leidenschaftlichen Phase folgt eine ignorante Phase oder klare Phase.

Gunas sind keine fixen Charaktertypen
Obwohl in einer Person immer ein Hang zu einer der drei Gunas dominant ist, bedeutet nicht, dass die anderen immer inaktiv sind, sondern beschreiben nur den Hang zu diesem Typus. Ein Kontakt mit Rajas ruft auch bei einem Tamas Typen Rajas hervor, doch wird diese schneller bei diesem abklingen, als bei jemandem der ohnehin bereits zu Rajas neigt. Die drei Gunas sind eben keine fixen Charaktertypen, sondern jeder Mensch erlebt alle drei Gunas, nur vielleicht in einem anderen Ausmaß.  
Die Gunas mögen auf den ersten Blick den Charaktertypen der westlichen Psychologen und Medizinern ähnlich erscheinen, und korrelieren mit allen Typenbeschreibungen, sie sind aber in ihrer ganzheitlichen Beschreibung einzigartig und können zu einem besseren Verständnis der Vorgänge in uns führen.
Man könnte auch behaupten, dass Sigmund Freud ebenso die Gunas entdeckt. „Es, Ich und Über-Ich“ lassen sich in den Gunas erkennen. „Es“ entspricht den Tamas Tendenzen des Geistes, während Rajas den Gefühlswelten des „Ich“ gleicht, so beschreibt das „Über-Ich“ die Sattva Eigenschaften des Geistes.

 

Alles Materielle im Universum unterliegt den drei Gunas. Sie sind die Grundpfeiler der Materie. Tamas gibt der Materie zusammenhalt. Rajas ist verantwortlich für stoffliche Veränderungen. Während Sattva dem Ganzen Ausdehnung gibt.

Siehe unter "Doshas Gunas" im Ayurveda Teil